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Loslassen in Liebe

Ihr Angehöriger hat Alzheimer-Demenz, vielleicht schon im fortgeschrittenen Stadium. Immer mehr Teile seiner Persönlichkeit verändern sich, er entgleitet Ihnen. Mehr und mehr verschwindet das Vertraute und Geliebte, nach und nach taucht eine fremde Person auf.

Auch Sie werden für den Betroffenen mehr und mehr zum Fremden. Gespräche werden immer schwieriger und beschränken sich auf einfache Sätze über Alltäglichkeiten. Vielleicht tauchen in hellen Momenten Erinnerungen oder ein Wiedererkennen auf.

Was auch immer geschieht – vergessen Sie nie, dass es die Krankheit ist, die den Menschen verändert, und dass in dem Körper eine Seele wohnt, die selbst auch leidet. Die Erkenntnis, dement zu werden, ist derart schmerzlich und erschüttert das Fundament einer Persönlichkeit so heftig, dass ein Betroffener zu unbewussten Abwehrmechanismen greift: Er wird die Erkrankung verdrängen, verleugnen und sogar seine eigenen Fehlleistungen auf andere Personen schieben. Er wird vielleicht Personen aus seinem Umfeld (Verwandte, Heimhilfe) beschuldigen, Gegenstände gestohlen zu haben, die er selbst versteckt, verlegt oder verloren hat.

Änderung der Persönlichkeit

Nach und nach verliert der Erkrankte Fähigkeiten, die er sich im Lauf seines Lebens erworben hat. Je später in der Entwicklungsgeschichte des Kindes etwas gelernt wurde, desto früher wird es jetzt wieder vergessen – Zahlen (Datum, Uhrzeit) und komplexe oder abstrakte sprachliche Zusammenhänge (Sprichwörter) verlieren ihre Bedeutung. Vieles von dem, was den Menschen ausmacht, Gedächtnis und Assoziationen, Sprache und Wortschatz, geht verloren. Auch die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken, zu trösten, für andere etwas zu empfinden. Das kann für die Angehörigen oft besonders schmerzlich sein.

Es ist für Sie besonders schwierig, mit den Veränderungen der Persönlichkeit des Alzheimer-Demenz-Patienten umzugehen – mit Aggression, Wut, Verzweiflung oder Teilnahmslosigkeit.
Auch verändert sich Ihre Rolle – waren Sie bisher das Kind Ihrer Eltern, müssen Sie jetzt vielleicht wie ein Elternteil für Ihren Vater oder Ihre Mutter sorgen. Lassen Sie das Bild los, das Sie von Ihrem Angehörigen hatten. Seien Sie sich stets bewusst, dass seine Seele nach wie vor in seinem Körper wohnt, dass sie sich aber nicht mehr so ausdrücken kann, wie Sie es bisher gewohnt waren.

Sich selbst beachten

Versuchen Sie, eine gewisse innere Distanz zu schaffen und sich in Gelassenheit zu üben – nehmen Sie Aggressionen, Unterstellungen oder Gefühlsausbrüche nicht persönlich. Der Kranke meint nicht Sie damit, er nimmt Sie als Person oft gar nicht wahr oder hält Sie für einen Fremden.

Achten Sie auf Ihre eigene physische und psychische Gesundheit. Opfern Sie sich nicht bis zur Erschöpfung auf. Gönnen Sie sich Pausen und bei Bedarf auch einen Urlaub. Bitten Sie andere Angehörige, in dieser Zeit für den Patienten zu sorgen, oder verlegen Sie ihn vorübergehend in ein Pflegeheim.

Halten Sie sich stets vor Augen, dass Ihr Angehöriger möchte, dass Sie glücklich sind. Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch gut für jemand anderen sorgen.


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in diesem Text auf eine Umsetzung der geschlechtssensiblen Schreibweise verzichtet. Alzheimer-Demenz betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und auch die Betreuung wird von Frauen und Männern übernommen. Ebenso gibt es zahlreiche Ärztinnen und Therapeutinnen! Wir bitten um Verständnis!



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